Edgar Reitz ist Autor und Filmregisseur, 1932 in Morbach im Hunsrück geboren. Ich schätze ihn sehr. Die Geschichte des Landstrichs, der ihn bis heute prägt, hat der Künstler in einem gewaltigen TV-Epos verewigt. Seine Trilogie „Heimat“ ist das Porträt der Region, ihrer Menschen und Landschaften, nach dem Ende des Ersten Weltkriegs bis zur Deutschen Einheit. Erzählt wird der Lebensweg des jungen Hermann, von Schule und Abitur, über die Studienzeit an der Musikhochschule München bis zur Heimkehr in das fiktive Örtchen Schabbach. In der TV-Reihe ist die „Zweite Heimat“ mir besonders nah. Sie spielt im Münchner Stadtteil Schwabing. In den späten 1960er Jahren war er wegen seiner Studentenszene berühmt. Lebensfreude, gesellschaftlicher Umbruch und Zukunftshunger wohnten hier praktisch Tür an Tür. Auch ich habe als junger Mensch einige Zeit in München verbracht. Und wie der Hermann aus dem Hunsrück erlebt, mit welcher Wucht sich der persönliche Weg und zeitgeschichtlicher Ereignisse verflechten können. So bei Olympia 1972.

Die bei TV-Festivals in Europa und den USA ausgezeichnete Filmkunst des Edgar Reitz zieht viele an. Packt auch heute noch jeden, dem wie mir Heimat wichtig ist. Dem die Besinnung auf die eigenen Wurzeln etwas bedeutet. Heimat in diesem Sinne ist nicht nur eine landschaftliche Kategorie. Auch Singen im Chor bedeutet Heimat, Nähe zum Ich in der gemeinschaftlichen Aktion mit anderen. Eine „Zweite Heimat“ gibt es für mich mithin auch heute. INTERKULTUR ist eine solche Heimat für mich, wie unsere Wettbewerbe und Festivals auch Heimat sind für Tausende Sängerinnen und Sänger in Vokalensembles. Ich habe diese Überzeugung, dieses Gefühl, dieses Glück erleben dürfen, sei es in Europa, Asien oder auf dem amerikanischen Kontinent.

In letzter Zeit ist Riga, die lettische Metropole, so etwas wie meine „zweite Heimat“ geworden. Die Stadt, eine Bastion des Chorsingens im Baltikum, mit ihrem hanseatischen Flair, ihrem Charme und ihrer Leichtigkeit war uns 2014 ein großartiger Partner. Und ein blendender Ausrichter der World Choir Games. Sie wird – davon bin ich fest überzeugt – auch in diesem Sommer eine perfekte Plattform für die 3. European Choir Games und den Grand Prix of Nations sein. Gemeinsam werden wir dieses große Event im Jahreskalender von INTERKULTUR und der weltweiten Chorszene vom 16. bis 23. Juli begehen und zum Erfolg führen. Gemeinsam natürlich auch mit Ihnen! Riga ist immer eine Reise wert. Lassen Sie sich inspirieren, von einer Stadt, die Sie lieben lernen werden. Und vom Lebensgefühl des Chorsingens. Es wird Ihnen zur Heimat werden.

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